Was musst du jetzt alles wissen zur COP27 in Ägypten?

Sicherlich hast du in den Medien bereits gehört von der COP27. Die internationale Klimakonferenz COP27 bestimmt gerade die Schlagzeilen. Worum geht es bei der COP27? Und kann sie dazu beitragen, die dringendsten Umweltprobleme der Welt zu lösen?

Was ist die COP27?

Die COP ist die offizielle UN-Klimakonferenz. Sie findet statt in Ägypten, in der Stadt Scharm el-Scheich. Die COP findet jetzt zum 27. Mal statt. Also COP27. Die drei Buchstaben COP stehen für ‘Conference of the Parties’, was nichts weiter heißt als Mitgliederversammlung der UN-Mitgliedsstaaten.

Auf der COP27 treffen sich die UN-Mitgliedsstaaten, um über Klimaschutz zu sprechen. Die UN ist ein internationaler Zusammenschluss von 193 Staaten. COP27 ist eine Abkürzung, die du leichter aussprechen kannst. Ausführlich steht COP27 für ‘United Nations Framework Convention on Climate Change, 27th Conference of the Parties’. Seit 1995 treffen sich Staats- und Regierungschefs, Politiker:innen, Experten:innen und viele andere Personen, um die Klimakrise auf globaler Ebene zu diskutieren. Der Gipfel dauert zwei Wochen.

Wo findet die COP27 statt?

In diesem Jahr findet die COP27 statt in Ägypten, in der Stadt Scharm el-Scheich. Scharm el-Scheich ist ein ägyptischer Urlaubsort auf der Sinai-Halbinsel, der zwischen der Wüste und dem Roten Meer liegt. Die Stadt ist bekannt für ihre geschützten Sandstrände, das klare Wasser und die Korallenriffe. Die UN-Klimakonferenz COP27 findet statt vom 6. bis 18. November 2022.

Wer nimmt Teil an der COP27?

An den jährlichen Konferenzen nehmen Vertreter:innen aller Länder teil, die vor 30 Jahren das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen unterzeichnet haben (UNFCCC). Das ist ein Papier von 1992. Alle Unterzeichner:innen erklären sich darin bereit, die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen. Unterschrieben haben diese Übereinkunft 197 Länder. Alle UN-Mitgliedstaaten haben das UNFCCC unterzeichnet, ebenso wie Palästina, die Cookinseln und Niue. Der Heilige Stuhl ist ebenfalls Beobachter des Abkommens.

Jedes Jahr kommen eben Vertreter:innen dieser Parteien zusammen, um auf der Konferenz der Vertragsparteien (COP) Maßnahmen gegen den Klimawandel zu finden. Nach der COP26 in Glasgow im letzten Jahr findet die 27. COP in diesem Jahr in Ägypten statt. 45.000 Menschen werden erwartet. Highlights sind am Montag und Dienstag die Reden von Bundeskanzler Olaf Scholz, der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dem neuen britischen Premierminister Rishi Sunak und dem pakistanischen Regierungschef Shehbaz Sharif. US-Präsident Joe Biden will am Freitag an der UN-Konferenz teilnehmen.

Was besprechen die Teilnehmer:innen auf der COP27?

Die zweiwöchigen Verhandlungen werden eröffnet mit einem Weltgipfel der Staats- und Regierungschefs am 7. und 8. November. Danach werden sich Regierungsvertreter mit einigen der wichtigsten Klimathemen befassen, darunter Finanzen, Dekarbonisierung, Anpassung und Landwirtschaft. In der zweiten Woche werden große Themen wie Gender, Wasser und Biodiversität im Mittelpunkt stehen.

António Guterres sagt am Montag in einer Rede vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs in Scharm el-Sheich:

Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle – mit dem Fuß auf dem Gaspedal.

António Guterres ist der UN-Generalsekretär. Er ist davon überzeugt, dass wir gerade den Kampf unseres Lebens kämpfen und verlieren, wenn wir jetzt nicht reagieren.

“Ein Drittel Pakistans wurde überflutet. Der heißeste Sommer in Europa seit 500 Jahren. Auf den Philippinen hat es gekracht. Ganz Kuba hat Stromausfall”, zählt António Guterres auf. Er fügte hinzu, dass der Hurrikan Ian in den USA “eine brutale Erinnerung daran geliefert hat, dass kein Land und keine Wirtschaft vor der Klimakrise gefeit ist”.

Die Gefahren der Klimakrise sind den Akteur:innen der COP27 also durchaus bewusst. 2015 haben sich viele Länder in Paris auf ein 1,5-Grad-Ziel geeinigt. Das bedeutet, dass wir eine globale Erwärmung von 1,5-Grad nicht überschreiten. Wenn unsere globale Temperaturen über 1,5-Grad steigt, drohen uns schwerwiegende Folgen. Unter anderem ein starker Anstieg des Meeresspiegels.

Hier findest du einen Zeitplan für die Events auf der COP27

Was erwarten wir als ForTomorrow von der COP27?

Wir setzen uns mit ForTomorrow ein für das 1.5-Grad-Ziel. Derzeit wird viel zu wenig unternommen, um unsere Erderwärmung auf 1.5-Grad zu begrenzen. Die weltweite Durchschnittstemperatur liegt bereits jetzt bei rund 1,15 Grad über dem Durchschnitt der vorindustriellen Zeit. Uns bleiben noch weniger als 7 Jahre, wenn wir soviel CO2 ausstoßen wie bisher. Deswegen möchten wir Maßnahmen sehen, die unsere Wirtschaft 1.5-Grad-konform gestalten. Wir beobachten, ob die COP27 dabei ihren Beitrag leistet.

Welche Ergebnisse bringt uns die Klimakonferenz 2022 COP27?

Die Delegierten beschließen einen Ausgleichsfonds für arme Staaten

Der Ausgleichsfonds für ärmere Staaten ist wohl das wichtigste Ergebnis der COP27. Seit 30 Jahren wünschen sich kleinere Inselstaaten und Länder des globalen Südens Entschädigungen. Durch den Klimawandel haben sie mit einem steigenden Meeresspiegel, Tsunamis, Starkregen, Dürren und vielen anderen Extremwetter-Ereignissen zu kämpfen. Dabei sind sie für den Klimawandel am wenigsten verantwortlich. Industriell weit entwickelte Staaten stoßen wesentlich mehr CO2 aus als ärmere Staaten. Der CO2-Fußabdruck in Deutschland liegt bei 9 Tonnen pro Person und Jahr. In Burundi nur bei 0,06 Tonnen. Gleichzeitig werden die ärmeren Staaten härter getroffen von den Folgen des Klimawandels. Der Ausgleichsfonds für ärmere Staaten ist hier ein riesen Schritt hin zu mehr Klimagerechtigkeit.

Landwirtschaft rückt weiter in den Fokus des Klimaschutzes

Auf der Klimakonferenz COP27 in Sharm el-Sheikh gibt es erstmals einen eigenen Pavillon, wo über Ernährung und Landwirtschaft diskutiert wird. Die Organisation ‘Aktion gegen den Hunger’ bestätigt, der Fokus liegt tatsächlich auf Kleinbäuer:innen. Landwirt:innen, insbesondere Frauen, sind als Hauptakteure für den Wandel berücksichtigt und indigenes Wissen wird anerkannt. Das Programm des sogenannten ‘Koronivia Joint Work on Agriculture’ (KJWA) wird um weitere 4 Jahre verlängert. Koronivia wurde bei der COP23 2017 in Bonn gegründet. Viele Länder haben sich verbündet, um herauszufinden, wie die Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft reduziert werden können.

Das globale Ernährungssystem ist verantwortlich für rund 1/3 der Treibhausgasemissionen. Trotzdem haben 800 Millionen Menschen weltweit nicht genug zu essen. Das sind etwa 10 % der Weltbevölkerung. Eine der größten Ursachen für diesen Hunger sind extreme Wetterereignisse, die eine Folge der Klimakrise sind. Felder verdorren durch Dürren, Fluten zerstören die Ernte und schwemmen fruchtbaren Boden fort. In 27 der 35 am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder herrscht extreme Ernährungsunsicherheit.

Das Finanzsystem soll umgebaut werden, damit Staaten leichter nachhaltig investieren können

Im Abschlussdokument ist zum ersten Mal festgehalten, dass eine ‘Transformation des Finanzsystems’ nötig ist, um die Investitionen in erneuerbare Energien zu bezahlen. Die Vertragsparteien rufen den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank dazu auf, die ganze ‘Breite ihrer Instrumente’ dafür zu nutzen.

Das heißt, dass der IWF auch Sonderziehungsrechte freigeben kann. Sonderziehungsrechte sind quasi Kunstgeld. Dieses Kunstgeld wird nicht gehandelt an Märkten. Sondern verteilt an Staaten, die dieses Geld als Reserve einsetzen können, um Schäden durch die Klimakrise zu tilgen. Der IWF gab Sonderziehungsrechte frei z. B. nach der weltweiten Finanzkrise 2008. Im Vorfeld der COP27 forderte unter anderem die Premierministerin der karibischen Insel Barbados, Mia Mottley, Sonderziehungsrechte in Höhe von 500 Milliarden Dollar. Bis Februar soll Mottley einen konkreten Vorschlag ausarbeiten.

Dieser Schritt ist wichtig. Länder des Globalen Südens zahlen bisher doppelt wegen der Klimakrise. Erstmal erleiden sie große Schäden. Und dann müssen sie Kredite aufnehmen, um ihre Wirtschaft CO2-neutral umzubauen. Zinsen liegen auf dem internationalen Finanzmarkt in der Regel bei 1–4% für die G7-Staaten. Für den globalen Süden jedoch bei bis zu 14 %, klagt Mottley an.

Mia Mottley, Premierministerin von Barbados sagt:

Wie können Unternehmen in den letzten 3 Monaten 200 Milliarden Dollar Gewinn machen und nicht erwarten, dass sie mindestens 10 Cent von jedem Dollar Gewinn in einen Fonds für Verluste und Schäden einzahlen?

Es gilt jetzt, nach vorne zu blicken.

Wir haben es in der Hand. Die COP27 kann eine Chance sein für den Klimaschutz. In den nächsten Jahren müssen wir unseren CO2-Ausstoß in Europa und auf der Welt reduzieren. Die nächsten Jahren sind für unsere Zukunft entscheidend. Mit ForTomorrow werden wir deshalb weiter den Klimaschutz vorantreiben. Gemeinsam schaffen wir die Energiewende und lösen die größte Herausforderung unserer Zeit.


Quellen: Euronews Green, Handelsblatt, Manager Magazin, UNFCCC, Süddeutsche Zeitung, laenderdaten(.)info, Perspective Daily
Bildcredit des Titelbilds: WDR