Klimafreundlich mit dem Zug nach Spanien: geht das?

Seit Corona sind die CO2-Emissionen durch Reisen stark gesunken. Viele Menschen sind im Sommerurlaub zuhause geblieben oder haben regional Urlaub gemacht. Doch wie können wir nach der Pandemie weiter klimafreundlich reisen, ohne auf die Kompensation angewiesen zu sein?s

Dieser Bericht von zwei Abonnenten von ForTomorrow zeigt, dass klimafreundliches Reisen auch auf längeren Strecken möglich ist: sogar von Deutschland nach Spanien! Dabei hilft, Hürden als spannende Herausforderung und den Weg als Teil des Urlaubs zu sehen.

Ein Zug fährt durch eine hügelige Landschaft

Regelmäßig haben wir meine Eltern, die zeitweise in Spanien lebten, dort besucht. Seit 1994 betreuen wir das Haus und sind einmal im Jahr dort. Die ca. 2000 km vom Münsterland bis zur Costa Blanca fuhren wir bis auf vereinzelte Flüge fast immer mit dem Auto. Doch letztes mal haben wir uns entschieden, klimafreundlicher zu reisen und zum ersten mal mit dem Zug statt mit dem Auto zu fahren.

Eine Landschaft mit Meer im Hintergrund

Unser Reiseziel, das Haus meiner Eltern in Spanien

Und tatsächlich, es gab eine attraktive Verbindung mit nur dreimal Umsteigen in Dortmund, Paris und Barcelona. Die Zugfahrt von unserem Wohnort nach Valencia dauert laut Fahrplan genau wie die Autofahrt zwei Tage mit einer Übernachtung im Hotel. Da wir frühzeitig gebucht hatten, waren die Fahrtkosten mit rund 600 Euro insgesamt nur ca. 100 Euro höher als die Kosten für Sprit und Maut.

Paris von Oben gesehen

Erste Reiseetappe: Paris

Es kam dann doch etwas anders als geplant. Am Tag vor der Abreise erreichte uns eine Mail der SNCF (Französische Eisenbahngesellschaft), dass der Zug von Paris nach Barcelona aufgrund einer durch Unwetter bedingten Streckenstörung in Südfrankreich ausfällt. Wir sollten einen anderen Zug um 7:00 morgens von einem anderen Bahnhof in Paris nehmen. Diesen Zug konnten wir mit dem bereits gebuchten Zug von Dortmund nach Paris natürlich nicht erreichen und auch ein anderer, früher abfahrender Zug hätte ihn nicht mehr erreichen können. Wir erkundigten uns daher am Ankunftsbahnhof Gare du Nord, ob wir auch den Zug am Folgetag nehmen könnten. Dies war möglich, so dass wir außer der geplanten Übernachtung in Paris auf der Rückfahrt eine zusätzliche Übernachtung in Paris auf der Hinfahrt hatten.

Fassade des Gare du Nord

Einer der sechs Fernverkehrsbahnhöfe von Paris

Eine weitere zusätzliche Übernachtung war wegen einer Gleissperrung in Südfrankreich auf der Rückfahrt in Barcelona nötig. Das war aber alles ohne größeren Stress zu organisieren. Auch die Änderungen bzw. Neubuchungen der Anschlusszüge, die wir wegen Streckensperrung nicht mehr erreichen konnten, waren möglich. Es wäre allerdings für uns einfacher gewesen, wenn wir flexible Zugtickets, wie in Deutschland üblich, hätten buchen können. Dies ist aber auf diesen Langstrecken weder in Frankreich noch Spanien möglich.

Ausblick auf Barcelona

Zweite Reiseetappe Barcelona. Auch hier hatten wir eine zusätzliche Übernachtung - es gibt schlimmeres.

Schwierig war die dürftige Informationslage auf den Pariser Bahnhöfen. Mit unserem Mail vom Vortag konnten wir jedoch einiges zur Aufklärung des Bahnpersonals auch zum Nutzen anderer Mitreisender beitragen. Aus den Abfahrtszeiten der Züge macht die SNFC ein ziemliches Geheimnis. Erst 20 Minuten vor der Abfahrt wird angezeigt, wann genau und auf welchem Gleis ein Zug abfährt. Das Check in Procedere auf den großen spanischen Bahnhöfen würde jedem Flughafen gerecht, ist aber unflexibel, zeitraubend und in seiner Sinnhaftigkeit nur schwer nachzuvollziehen. Da ist noch Verbesserungspotential.

Bild von Valencia mit Blumen im Vordergrund

Doch schwieriger zu erreichen als gedacht - Valencia

Wir planen nach Corona wieder mit der Bahn zu fahren und dann die Strecke über Lyon zu nehmen. Um den Klimawandel so früh wie möglich zu stoppen, zählt jedes Gramm CO2. Für die gesamte Strecke mit zwei Personen ist die Bahnfahrt mit 4 kg CO2-Ausstoß deutlich klimafreundlicher als die Autofahrt mit 400 kg CO2-Ausstoß.


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