Klimafreundlich mit dem Zug nach Spanien: geht das?

Ein Zug fĂ€hrt durch eine hĂŒgelige Landschaft

Dieser Bericht von zwei Abonnenten von ForTomorrow zeigt, dass klimafreundliches Reisen auch auf lĂ€ngeren Strecken möglich ist: sogar von Deutschland nach Spanien! Dabei hilft, HĂŒrden als spannende Herausforderung und den Weg als Teil des Urlaubs zu sehen.


Eine Landschaft mit Meer im Hintergrund
Unser Reiseziel, das Haus meiner Eltern in Spanien

RegelmĂ€ĂŸig haben wir meine Eltern, die zeitweise in Spanien lebten, dort besucht. Seit 1994 betreuen wir das Haus und sind einmal im Jahr dort. Die ca. 2000 km vom MĂŒnsterland bis zur Costa Blanca fuhren wir bis auf vereinzelte FlĂŒge fast immer mit dem Auto. Doch letztes mal haben wir uns entschieden, klimafreundlicher zu reisen und zum ersten mal mit dem Zug statt mit dem Auto zu fahren.

Und tatsĂ€chlich, es gab eine attraktive Verbindung mit nur dreimal Umsteigen in Dortmund, Paris und Barcelona. Die Zugfahrt von unserem Wohnort nach Valencia dauert laut Fahrplan genau wie die Autofahrt zwei Tage mit einer Übernachtung im Hotel. Da wir frĂŒhzeitig gebucht hatten, waren die Fahrtkosten mit rund 600 Euro insgesamt nur ca. 100 Euro höher als die Kosten fĂŒr Sprit und Maut.

Paris von Oben gesehen
Erste Reiseetappe: Paris

Es kam dann doch etwas anders als geplant. Am Tag vor der Abreise erreichte uns eine Mail der SNCF (Französische Eisenbahngesellschaft), dass der Zug von Paris nach Barcelona aufgrund einer durch Unwetter bedingten Streckenstörung in SĂŒdfrankreich ausfĂ€llt. Wir sollten einen anderen Zug um 7:00 morgens von einem anderen Bahnhof in Paris nehmen. Diesen Zug konnten wir mit dem bereits gebuchten Zug von Dortmund nach Paris natĂŒrlich nicht erreichen und auch ein anderer, frĂŒher abfahrender Zug hĂ€tte ihn nicht mehr erreichen können. Wir erkundigten uns daher am Ankunftsbahnhof Gare du Nord, ob wir auch den Zug am Folgetag nehmen könnten. Dies war möglich, so dass wir außer der geplanten Übernachtung in Paris auf der RĂŒckfahrt eine zusĂ€tzliche Übernachtung in Paris auf der Hinfahrt hatten.

Fassade des Gare du Nord
Einer der sechs Fernverkehrsbahnhöfe von Paris

Eine weitere zusĂ€tzliche Übernachtung war wegen einer Gleissperrung in SĂŒdfrankreich auf der RĂŒckfahrt in Barcelona nötig. Das war aber alles ohne grĂ¶ĂŸeren Stress zu organisieren. Auch die Änderungen bzw. Neubuchungen der AnschlusszĂŒge, die wir wegen Streckensperrung nicht mehr erreichen konnten, waren möglich. Es wĂ€re allerdings fĂŒr uns einfacher gewesen, wenn wir flexible Zugtickets, wie in Deutschland ĂŒblich, hĂ€tten buchen können. Dies ist aber auf diesen Langstrecken weder in Frankreich noch Spanien möglich.

Ausblick auf Barcelona
Zweite Reiseetappe Barcelona. Auch hier hatten wir eine zusĂ€tzliche Übernachtung - es gibt schlimmeres.

Schwierig war die dĂŒrftige Informationslage auf den Pariser Bahnhöfen. Mit unserem Mail vom Vortag konnten wir jedoch einiges zur AufklĂ€rung des Bahnpersonals auch zum Nutzen anderer Mitreisender beitragen. Aus den Abfahrtszeiten der ZĂŒge macht die SNFC ein ziemliches Geheimnis. Erst 20 Minuten vor der Abfahrt wird angezeigt, wann genau und auf welchem Gleis ein Zug abfĂ€hrt. Das Check in Procedere auf den großen spanischen Bahnhöfen wĂŒrde jedem Flughafen gerecht, ist aber unflexibel, zeitraubend und in seiner Sinnhaftigkeit nur schwer nachzuvollziehen. Da ist noch Verbesserungspotential.

Bild von Valencia mit Blumen im Vordergrund
Doch schwieriger zu erreichen als gedacht - Valencia

Wir planen nach Corona wieder mit der Bahn zu fahren und dann die Strecke ĂŒber Lyon zu nehmen. Um den Klimawandel so frĂŒh wie möglich zu stoppen, zĂ€hlt jedes Gramm CO2. FĂŒr die gesamte Strecke mit zwei Personen ist die Bahnfahrt mit 4 Kg CO2-Ausstoß deutlich klimafreundlicher als die Autofahrt mit 400 Kg CO2-Ausstoß.