IPCC Bericht 2022 Zusammenfassung: Das sind die Folgen des Klimawandels

Was sagt der sechste Bericht des IPCC, warum ist er so alarmierend und können wir die Folgen des menschengemachten Klimawandels jetzt noch aufhalten? Hier sind die wichtigsten Botschaften des IPCC 2022. Wir starten mit der Arbeitsgruppe 1, also dem ersten Teil des IPCC Berichts.

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) – oft als “Weltklimarat” bezeichnet – ist eine Institution der Vereinten Nationen. In seinem Auftrag tragen weltweit Fachleute den aktuellen Kenntnisstand zum Klimawandel zusammen. Gegründet wurde er 1988. 2007 gab es sogar einen Friedensnobelpreis für den IPCC. Seitdem schauen alle Menschen gespannt auf den jährlichen IPCC Bericht. Aktuell veröffentlicht ist der Sechste IPCC-Sachstandsbericht (AR6). Dieser besteht aus drei Arbeitsgruppen, die ihre Ergebnisse wiederum in mehreren Teilen präsentieren. Keine Sorge. Wir fassen für dich die Kernaussagen aller drei Arbeitsgruppen zusammen – in drei Blog-Artikeln.

Wichtig: Wir habe zentrale Botschaften des IPCC Berichts aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst. Den vollständigen wissenschaftlichen IPCC Bericht samt Quellenangaben und zusätzlichen Grafiken findest du auf Seiten des IPCC.



Hier findest du die wichtigsten Kernaussagen des IPCC Berichts 2022 Arbeitsgruppe I

Es ist unbestreitbar, dass der Einfluss des Menschen auf das Klima unsere Atmosphäre erwärmt hat – das Wasser und das Land. Weitreichende und rapide Folgen für die Atmosphäre, Ozeane, Kryosphäre und Biosphäre sind entstanden.

  • Jedes der letzten vier Jahrzehnte war nacheinander wärmer als jedes vorangegangene Jahrzehnt seit 1850.
  • Im Jahr 2019 waren die atmosphärischen CO2-Konzentrationen höher als jemals zuvor in mindestens 2 Millionen Jahren. Die Konzentrationen von CH4 und N2O waren höher als zu jedem anderen Zeitpunkt in mindestens 800.000 Jahren.
  • Es ist so gut wie sicher, dass die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen die Hauptursache für die derzeitige globale Versauerung des offenen Ozeans an der Oberfläche sind.
  • Der menschliche Einfluss ist höchstwahrscheinlich die Hauptursache für den weltweiten Rückgang der Gletscher seit den 1990er Jahren und den Rückgang der arktischen Meereisfläche zwischen 1979–1988 und 2010–2019. Der Rückgang beträgt 40% im September und 10% im März.
  • Es ist praktisch erwiesen, dass sich der obere Ozean (0–700 m) seit den 1970er Jahren erwärmt hat. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass der Einfluss des Menschen die Hauptursache ist.
  • Der globale Gletscherrückgang seit den 1950er Jahren, bei dem sich fast alle Gletscher der Welt gleichzeitig zurückziehen, ist beispiellos in den letzten 2000 Jahren.

Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat bereits Auswirkungen auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen auf dem gesamten Globus. Beweise für beobachtete Veränderungen bei Extremen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen, Dürren und tropische Wirbelstürme haben zugenommen.

  • Es ist praktisch sicher, dass heiße Extreme in den meisten Landregionen seit den 1950er Jahren häufiger und intensiver geworden sind, während kalte Extreme seltener und weniger stark aufgetreten sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann gesagt werden, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Hauptursache für diese Veränderungen ist.
  • Es ist wahrscheinlich, dass der weltweite Anteil der schweren tropischen Wirbelstürme (Kategorie 3 bis 5) in den letzten vier Jahrzehnten zugenommen hat.
  • Es ist sehr wahrscheinlich, dass Starkniederschlagsereignisse in den meisten Regionen mit einer weiteren globalen Erwärmung zunehmen und häufiger werden. Auf globaler Ebene wird projiziert, dass extreme tägliche Niederschlagsereignisse pro 1°C globaler Erwärmung um etwa 7 % zunehmen werden.
  • Viele Veränderungen im Klimasystem werden in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden globalen Erwärmung größer. Dazu gehören die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von extremen Hitzeperioden, marinen Hitzewellen, Starkniederschlägen und in einigen Regionen, landwirtschaftliche und ökologische Dürreperioden; eine Zunahme des Anteils intensiver tropischer Wirbelstürme und ein Rückgang des arktischen Meereises, der Schneedecke und des Permafrostes.

Die globale Oberflächentemperatur wird unter allen betrachteten Emissionsszenarien bis mindestens Mitte des Jahrhunderts weiter ansteigen. Die globale Erwärmung von 1,5°C und 2°C wird im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden, wenn nicht in den kommenden Jahrzehnten CO2- und andere Treibhausgasemissionen stark reduziert werden.

  • Im Vergleich zu 1850–1900 wird die globale Oberflächentemperatur im Durchschnitt der Jahre 2081–2100 sehr wahrscheinlich um 1,0°C bis 1,8°C steigen – bei einem Szenario mit sehr niedrigen Treibhausgasemissionen. Mit mittleren Treibhausgasemissionen steigt die Temperatur um 2,1°C bis 3,5°C. Und beim Szenario mit sehr hohen Treibhausgasemissionen um 3,3°C bis 5,7°C. Das letzte Mal, dass die globale Oberflächentemperatur um 2,5°C oder mehr über dem Wert von 1850–1900 lag, war vor über 3 Millionen Jahren.

Aus physikalisch-wissenschaftlicher Sicht erfordert die Begrenzung der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung auf ein bestimmtes Niveau eine Begrenzung der kumulativen CO2-Emissionen. Wobei mindestens ein Netto-Nullwert für CO2-Emissionen erreicht werden muss, zusammen mit einer starken Verringerung anderer Treibhausgasemissionen.

  • Das Erreichen von globalen Netto-Null-CO2-Emissionen, bei denen die anthropogenen CO2-Emissionen durch den anthropogenen Abbau von CO2 ausgeglichen werden, ist eine Voraussetzung für die Stabilisierung des CO2-bedingten Anstiegs der globalen Oberflächentemperatur.
  • Wenn weltweit negative Netto-CO2-Emissionen erreicht und aufrechterhalten würden, würde der globale CO2-bedingte Anstieg der Oberflächentemperatur allmählich rückgängig gemacht werden. Aber andere Klimaveränderungen würden sich über Jahrzehnte bis Jahrtausende in ihrer derzeitigen Richtung fortsetzen. So würde es beispielsweise mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern, bis sich der Anstieg des globalen mittleren Meeresspiegels umkehrt, selbst bei großen negativen Netto-CO2-Emissionen.

Viele Veränderungen, die auf vergangene und künftige Treibhausgasemissionen zurückzuführen sind, sind über Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar – insbesondere Veränderungen der Ozeane, der Eisschilde und des globalen Meeresspiegels.

  • In den nächsten 2000 Jahren wird der globale mittlere Meeresspiegel um etwa 2 bis 3 m ansteigen, wenn die Erwärmung auf 1,5°C begrenzt ist. Um 2 bis 6 m, wenn sie auf 2°C begrenzt ist und um 19 bis 22 m bei einer Erwärmung von 5°C.
  • Im Zeitraum 2011–2020 erreichte die arktische Meereisfläche im Jahresdurchschnitt den niedrigsten Stand seit mindestens 1850. Im Spätsommer war die arktische Meereisfläche so klein wie seit mindestens 1000 Jahren nicht mehr.
  • Es ist so gut wie sicher, dass der mittlere globale Meeresspiegel im 21. Jahrhundert weiter ansteigen wird. Im Vergleich zu 1995–2014 beträgt der wahrscheinliche Anstieg des globalen mittleren Meeresspiegels bis 2100 0,28–0,55 m beim Szenario mit sehr niedrigen Treibhausgasemissionen. Beim Szenario mit mittleren Treibhausgasemissionen 0,44–0,76 m und 0,63–1,01 m nach dem Szenario mit sehr hohen Treibhausgasemissionen.
  • Längerfristig wird der Meeresspiegel aufgrund der anhaltenden Erwärmung der Tiefsee und des Abschmelzens der Eisschilde für Jahrhunderte bis Jahrtausende ansteigen und wird für Tausende von Jahren erhöht bleiben.