Greenwashing – Was lehrt uns der Fall Fynn Kliemann?

Kleine Analyse aus Marketingsicht.

Jan Böhmermann hat Ende letzter Woche wieder für Furore gesorgt. Geleakte Whatsapp-Nachrichten, Voice-Messages und Dokumente belasten den Youtuber, Heimwerker-Influencer und Unternehmer Fynn Kliemann. Vorgeworfen wird ihm Maskenbetrug. Der Fall wirft Fragen auf – auch für uns als Konsumenten.

Kliemann sorgt zu Beginn der Corona-Krise für Aufsehen. Selbstlos produziert er kurzerhand mehrere 100.000 Masken. Gelabelt sind diese mit „fair in Europa produziert“. 2020 erhält der Internet-Tausendsassa einen Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Die Freude währt nur kurz. Böhmermann deckt auf: Nur ein Bruchteil dieser Masken kommt wirklich aus Europa. Die meisten aus Vietnam und Bangladesch.

Die Näher:innen arbeiten hier weit unter dem Existenzminimum von 255 Dollar pro Monat. 100.000 Masken werden außerdem gespendet an ein Camp für Geflüchtete. Heute wissen wir, die Masken sollen fehlerhaft sein, womöglich unbrauchbar. Nachhaltig ist das nicht. Greenwashing auf einer ganz neuen Eskalations-Stufe.

Greenwashing – was ist das?

„In jedem Produkt steckt eine Wahrheit“, eine Weisheit, die ich im Marketing oft höre. In der Praxis führt das gerne dazu, dass Wahrheiten gefunden werden, die nicht sooo ganz passen zum Produkt. Wenn dick steht auf der Ohrenstäbchen-Packung: „Kein Plastik“, erweckt das für mich den Eindruck, das ganze Produkt ist plastikfrei. Dass sich diese Aussage dann doch nur auf einen Teil der Verpackung bezieht, wird klar im Kleingedruckten.

Aufmerksamkeit wird gelenkt auf nebensächliche Dinge. Letzten Endes ein alter Hütchenspielertrick: „Hey, guck mal schnell hier!”, schon bist du abgelenkt und weißt nicht mehr, wo die Erbse ist.

Greenwashing – wie erkenne ich das?

2020 ist für uns alle ein besonderes Jahr. Lockdown, Geschäfte zu, keine Clubs, keine Bars – Dann kommt da der sympathisch-wirkende Unternehmer von nebenan und sponsert einfach 100.000 Masken. Ich finde die Aktion zu Beginn der ersten Corona-Welle auch super. Naja, ich will sie auch super finden – nach all den schwierigen Nachrichten, endlich ein Lichtblick. Wir lieben gute Stories, fragen dann weniger nach. Und das ist das Problem. Doch, das lässt sich lösen. Hier ein paar Tipps zum Erkennen von Greenwashing, die mir helfen.

1. Worte sind gut, Zahlen sind besser

Suche immer nach echten Zahlen hinter Produkten. Schau auf die Website. Stimmen die Behauptungen auch wirklich – lässt sich das Argument belegen? Ist das Unternehmen transparent, in dem, was es tut? Gibt es Geschäftsberichte? Besonders hellhörig solltest du werden, wenn du selbst auf Nachfrage keine konkreten Zahlen oder Quellen bekommst.

2. Bullshit-Bingo durchspielen

Vegan wird oft assoziiert mit Bio-Qualität. Vegan steht jedoch in erster Linie für tierfrei. Plastik ist meistens tierfrei. Also vegan. Ist deshalb ein Plastikbeutel bio? Nein. Prüfe, was Begriffe bedeuten und wie sie verwendet werden. Auch, wenn sich etwas “grün” anhört, muss es nicht umweltfreundlich sein.

3. Ablenkungsmanöver erkennen

Sagen wir, ein Mineralöl-Unternehmen wirbt damit, sich ein neues E-Auto anzuschaffen. Ist dieses Unternehmen jetzt klimafreundlich? Nein, ist es nicht. Irrelevante Fakten als besonders hervorzuheben, ist eine Strategie des Greenwashings.

Fragen, fragen, fragen –Nachhaken ist das A und O

Was lernen wir denn jetzt aus der Sache mit Fynn Kliemann? Wir wissen, wie Werbung funktioniert. Sustainability und Umweltschutz sind die Themen der Stunde. Klar, dass einige Marken auf diesen Zug aufspringen und `greenwashen’. Umso mehr lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Noch nie zuvor war es wichtiger, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Fragen zu stellen. Wir haben es in der Hand. Nur so finden wir wirklich grüne Unternehmen, Organisationen und Menschen, die unsere Zukunft gestalten möchten.


Quelle: https://lmaafk.de/