9 spannende Fragen zum Emissionshandel für dich einfach beantwortet

Emissionshandel Definition: Der Emissionshandel ist das Klimaschutz-Tool der Europäischen Union. Alle großen CO2-Emittenten z.B. Kohlekraftwerke müssen teilnehmen. Für eine Tonne CO2, die z.B. ein Kohlekraftwerk ausstoßen möchte, braucht es verpflichtend ein Emissionsrecht. Wir nutzen den Emissionshandel, um CO2 zu reduzieren in Europa. Hier findest du den Emissionshandel einfach erklärt.

Frage #1: Was ist der Emissionshandel?

Du weißt sicherlich schon, CO2 ist klimaschädlich. Am meisten CO2 produziert die Industrie z.B. Kohlekraftwerke. Die EU beschließt demnach 2005, ein System zu installieren, um den CO2-Ausstoß der Wirtschaft zu senken – den EU Emissionsrechtehandel.

Erklärung Emissionshandel: Alle großen CO2-Emittenten z.B. Kohlekraftwerke, müssen CO2-Rechte kaufen, wenn sie CO2 ausstoßen wollen. Pro Tonne CO2, die ein Industrieunternehmen ausstoßen möchte, braucht es 1 Emissionsrecht. Legt ein CO2-Emittent dieses CO2-Zertifikat jährlich nicht vor, werden hohe Strafen fällig und die Emissionsrechte müssen nachgereicht werden. Jedes Jahr stellt die EU Emissionsrechte zur Verfügung. Die Gesamtanzahl der verfügbaren Emissionsrechte wird durch die EU gesenkt jedes Jahr. Dieser Mechanismus heißt Cap & Trade. Dadurch darf die Wirtschaft jedes Jahr weniger CO2 ausstoßen. 2050 soll das System der Emissionshandel schließlich dazu führen, dass die EU CO2-neutral wirtschaftet.

Emissionshandel Cap & Trade-System erklaert
Foto: Umweltbundesamt. Das Cap & Trade-System senkt den CO2-Ausstoß.

Frage #2: Welche Branchen müssen teilnehmen am Emissionshandel?

Vor allem der Strom-und Industriesektor. Es gibt Schwellen, wie viel CO2-Ausstoß pro Jahr ein Unternehmen für den Emissionshandel qualifiziert. Eine Anlage, die diese Schwelle passiert und viel CO2 ausstößt, nimmt Teil am Emissionsrechtehandel. Verpflichtend sind bisher die Stahl-, Zement-, Stromindustrie. Außerdem greift der Emissionshandel bei Kohlekraft, Gaskraft und im innereuropäischen Luftverkehr (starten und landen in der EU). Die Schifffahrt kommt jetzt dazu. Gebäude und Mobilität ist in Planung, Landwirtschaft wird diskutiert. Auch die Automobilindustrie fordert für sich den Emissionshandel statt der CO2-Steuer.

Kohlekraftwerke wie dieses müssen teilnehmen am Emissionshandel
Foto: Canva. Kohlekraftwerke stoßen gewaltige Mengen CO2 aus.

Frage #3: Senkt der Emissionshandel wirklich CO2?

Da, wo der Handel greift, sinken sicher die CO2-Emissionen. Da, wo nicht, steigen sie sogar. Seit der Einführung des Europäischen Emissionshandels (ETS) im Jahr 2005 sind die CO2-­Emissionen in den vom ETS erfassten Bereichen um fast 30 Prozent gesunken. Die Minderung liegt damit deutlich über dem EU-weiten Ziel von 21 Prozent. (Stand 2020)

Frage #4: Wie entsteht 1 Emissionsrecht?

Die EU erzeugt die Emissionsrechte. Durch offizielle Versteigerungen z.B. in Deutschland über die Strombörse EEX, mit Sitz in Leipzig, kommen Emissionsrechte in den Markt – den Primary Market. Jedes Emissionsrecht hat eine “Unique ID” und ist digital gespeichert. Versteigerungen finden statt zweimal wöchentlich.

Frage #5: Woraus ergeben sich beim Emissionshandel Preise?

Der Emissionsrechtehandel ist ein freier Markt. Der Preis für ein Emissionsrecht basiert also auf Angebot und Nachfrage. Der exakte Preis der Emissionsrechte schwankt, je nachdem wie weit die Industrie in der Umrüstung auf CO2-sparsamere Technologien ist und wie viele Rechte im Umlauf sind. Wenn die Industrie schneller auf CO2-sparsamere Mechanismen umstellt und weniger Rechte braucht, sinkt der Preis – allerdings greift dann auch die Marktstabilitätsreserve.

Frage #6: Was ist die Marktstabilitätsreserve?

In der Wirtschaftskrise kann ein Überhang an Emissionsrechten entstehen, wenn viele Betriebe weniger Waren produzieren und so weniger CO2 emittieren. Der Preis der CO2-Rechte sinkt dann stark. Um für mehr Preisstabilität zu sorgen, werden überflüssige Rechte in eine Marktstabilitätsreserve überführt. Dafür werden jährlich 24 Prozent der Emissionszertifikate aus dem Handel entnommen, sobald sich mehr als 833 Mio. Zertifikate im Umlauf befinden. Wenn jedoch dann nur noch 400 Millionen Zertifikate im Umlauf sind, werden 200 Millionen Zertifikate aus der Marktstabilitätsreserve in den Emissionshandel zurück verschoben. Wenn zu viel Reserve entsteht, wird ein Teil gelöscht. Wenn der Preis wieder steigt, werden Emissionsrechte wieder in den Markt geschoben. Kurz gesagt: Die Marktstabilitätsreserve dient dazu, den Emissionsrechte Markt stabil zu halten. So kann seine Klimaschutz-Wirkung gesichert werden.

Frage #7: Für welche Treibhausgase gilt der Emissionshandel EU?

Für alle aus dem Kyoto-Protokoll definierten sechs: Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O), wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW) und Schwefelhexafluorid (SF6). Seit 2015 zählen wir auch Stickstofftrifluorid (NF3) hinzu. CO2 hat einen langen Klima-Effekt, Methan einen sehr schnellen.

Emissionshandel ist wichtig, denn CO<sub>2</sub> steigt in der Atmosphäre seit 1955
Foto: Umweltbundesamt. 44 % mehr CO2 haben wir in der Atmosphäre seit der Industrialisierung.

Frage #8: Nehmen alle Länder der EU teil am Emissionshandel?

Ja, alle EU-Mitgliedsstaaten müssen teilnehmen. Die Schweiz ist auch dabei.

Frage #9: Kann die Politik den Emissionshandel nicht einfach beenden?

Nein, es ist sehr schwierig, den Emissionshandel zu kippen. Alle Länder der EU müssen hier zustimmen. Wir können dann als EU das Pariser-Klimaabkommen nicht mehr erfüllen. Dieses Szenario ist unrealistisch. Vergleichen kannst du das mit der Wahrscheinlichkeit, dass wir den EURO plötzlich als Zahlungsmittel abschaffen.

Wie kannst du über ForTomorrow den Emissionshandel nutzen und das Klima schützen?

Der Emissionshandel funktioniert gut – nur zu langsam. Nicht erst seit dem letzten IPCC-Bericht wissen wir: Wir müssen sehr viel zeitiger CO2-neutral werden als 2050. Sonst droht uns eine globale Erwärmung von über 1.5 Grad mit gravierenden Folgen. Wir bei ForTomorrow kaufen z.B. Kohlekraftwerken zusätzlich CO2-Rechte weg. Diese dürfen dann weniger CO2 ausstoßen. Damit senken wir die zulässige Menge an CO2, die in der EU ausgestoßen werden darf und schützen das Klima. Wir möchten die EU bis 2040 klimaneutral machen.