Wie funktioniert CO2-Kompensation über den EU-Emissionshandel?

CO2-Emissionen werden häufig über Projekte im globalen Süden kompensiert. Doch es gibt einen Weg, über die CO2-Kompensation direkt hier in Europa eine klimafreundliche Wirtschaft voranzutreiben.

Für die CO2-Kompensation wird zum Beispiel die Finanzierung neuer Windkraftanlagen im globalen Süden unterstützt. Doch diese Maßnahmen haben Verbesserungspotenzial. Zum einen wirkt die Kompensationsmaßnahme meist nicht dort, wo die CO2-Emissionen stattfinden, zum anderen ist unter der Vereinbarung von Paris unklar, ob sich Entwicklungs- und Schwellenländer diese Emissionsreduktion selbst anrechnen – das Problem der Doppelzählung. Die Kompensationsprojekte in Entwicklungsländern sind zur Zeit des Kyoto-Protokolls entstanden. Damals hatten diese Länder noch keine Klimaziele, doch unter der Vereinbarung von Paris haben nun auch diese Länder Klimaziele. Leider gab es bei der letzten Klimakonferenz dem COP25 keine Einigung, wie mit dem im Land generierten Emissionsreduktionen umgegangen werden soll. Einige Länder, unter anderem Brasilien, vertraten den Standpunkt, die Emissionsreduktionen verkaufen und gleichzeitig sich selbst anrechnen zu wollen. Hoffentlich wird bei der aktuellen Klimakonferenz dem COP26 eine Einigung erzielt.

CO2-Kompensation in Europa

Was können Menschen tun, die durch ihre Kompensation direkt in Europa eine Treibhausgasminderung bewirken möchten? Warum können sie zur CO2-Reduktion nicht genauso wie in Entwicklungsländern zum Beispiel die Finanzierung neuer Windkraftanlagen unterstützen? In der EU gibt es ein Cap and Trade System, den Emissionshandel. Dieser begrenzt die Emissionen aus dem Energie- und Industriesektor sowie dem europäischen Flugverkehr und bald weiteren Sektoren. Um in der EU die Emissionen in einem dieser Sektoren zu senken, muss man mit dem EU-Emissionshandel arbeiten. Um eine Tonne CO2-Äquivalente (CO2e) ausstoßen zu dürfen, muss ein Emissionsrecht gekauft werden. Die Emissionsrechte werden wöchentlich im Auftrag der Regierungen versteigert und können danach frei gehandelt werden. Was passiert nun, wenn in Europa zur CO2-Kompensation die Finanzierung neuer Windkraftanlagen unterstützt wird? Der CO2-Ausstoß im Energiesektor wird sinken. Doch die Obergrenze im Emissionshandel sinkt nicht. Die Emissionsrechte, die nun nicht mehr vom Energiesektor verwendet werden, können von anderen Sektoren genutzt werden. Das Ziel, über die Kompensation eine Reduktion der gesamten europäischen CO2-Emissionen zu erreichen, funktioniert nicht über die Finanzierung neuer Windkraftanlagen. Natürlich muss der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter erfolgen. Für das Ziel, die CO2-Emissionen der EU zu senken, sollte der Emissionshandel genutzt werden. Glücklicherweise hat die EU bei der Implementierung des Emissionshandels bereits eingebaut, dass dieser für den Klimaschutz genutzt werden kann. Es ist möglich, EU-Emissionsrechte zu kaufen und ungenutzt zu löschen, also direkt die Obergrenze zu senken. Die Tonne CO2, die eigentlich mit dem Emissionsrecht ausgestoßen werden dürfte, darf nun nicht mehr ausgestoßen werden. Wo genau im Wirtschaftssystem die Emissionen gesenkt werden, entscheidet der Markt.

Die EU-Flagge

Dreifach effektive CO2 Kompensation

Wird ein Emissionsrecht für die Kompensation des CO2-Ausstoß weggekauft, hat dies einen dreifachen Effekt:

  1. Der CO2-Ausstoß in der EU wird für jedes Emissionsrecht um eine Tonne CO2 gesenkt.
  2. Durch die Verknappung erhöht sich der Preis der Emissionsrechte. So werden klimafreundliche Technologien profitabler als klimaschädliche.
  3. Die Emissionsrechte werden vom Staat versteigert. Das Geld, das zum Beispiel Deutschland dadurch einnimmt, fließt in einen Energie– und Klimafond. Über diesen wird Forschung und Klimaschutz in Sektoren, die noch nicht unter den Emissionshandel fallen, gefördert, unter anderem Gebäudesanierung und Elektromobilität.

Ein weiterer großer Vorteil der Kompensation über den EU-Emissionshandel ist die Nutzung eines sehr sicheren, bereits bestehenden Systems. Bei Projekten im globalen Süden fließt viel Geld in die Zertifizierung. Außerdem sind regelmäßige Reisen in das Entwicklungsland nötig, um zu prüfen, ob und wie stark die Windkraftanlagen genutzt werden, was wiederum Emissionen erzeugt. Bei der Kompensation über den EU-Emissionshandel sind die Prüfmechanismen bereits im System enthalten. Und wird ein gemeinnütziger Anbieter wie ForTomorrow für die Kompensation gewählt, lässt sich diese sogar als Spende von der Steuer absetzen.

Kontoauszug von Emissionsrechten
Auf unserem Konto seht ihr die Anzahl der Emissionsrechte (EUA), die wir bei ForTomorrow für unsere Klima-Abonnent:innen seit dem Start im März 2020 dem Markt entzogen haben.

Der europäische Emissionshandel bietet ein wirksames Instrument für die CO2-Kompensation. Mit ForTomorrow kannst du dazu beitragen, den CO2-Ausstoß der EU zu reduzieren und direkt Klimaschutz in Europa voranzutreiben.